Automobilhandel 2.0 – Was erwartet uns

Wer einen kritischen Blick auf den Automobilhandel wirft wird feststellen, dass er in seinen Grundzügen weitgehend unverändert blieb in den letzten Jahrzenten. Sicher gab es einige Veränderungen wie die Einführung des Mehrmarkenhandels oder aber auch der Interhandel der seine Spuren hinterlassen hat. Das Grundprinzip blieb aber immer das Gleiche in der Regel gibt es das klassische Autohaus, unterteilt in Neuwagen- Gebrauchtwagen- und Servicebereich, dass die Autos an den Kunden vermarktet. Ein Trend der zu beobachten ist im Automobilhandel ist das Wachstum der Automobilhandelsgruppen. Wobei die Annahme das diese Automobilhandelsgruppen grundsätzlich erfolgreicher sind in der Praxis nicht zu bestätigen ist wie unter anderem die Insolvenzen der Kroymans Gruppe oder der MAG zeigen.

Die Frage die sich stellt ist ob der Automobilhandel auch in 20 Jahren noch so aussehen wird? Dies darf doch deutlich bezweifelt werden. Warum das so ist wird deutlich wenn wir auf die kritischen Faktoren schauen die zukünftig den Automobilhandel beeinflussen werden:

  • Der Automobilhandel hat seit Jahren eine schwache Umsatzrendite viele Unternehmen haben eine Umsatzrendite die nicht einmal 1% beträgt und meist auch eine geringe Eigenkapitalquote.
  • Im Automobilhandel gibt es generell eine schlechte Planungssicherheit. Es lässt sich kaum vorhersagen wie viele Autos ein Unternehmen in den nächsten 5 Jahren verkaufen wird. Das liegt unter anderem daran, dass der Automobilkauf stark von der Konjunktur abhängig. Investitionssicherheit ist für viele Händler nicht gegeben. Was unter anderem auch am Restwertrisiko für Leasingrückläufer liegt.
  • Wer auf den Automobilmarkt in Deutschland schaut wird feststellen, dass dieser nahezu gesättigt ist. Die Zulassungszahlen liegen in der Regel bei um die 3 Millionen Fahrzeuge pro Jahr wenn wir einmal von Ausnahmen wie dem Jahr der Abwrackprämie absehen.
  • Ein weiterer kritischer Faktor ist der hohe Kapitalbedarf der für den Automobilhandel notwendig ist. Dieser Kapitalbedarf wird in den nächsten Jahren noch zunehmen zum einen steigt der durchschnittliche Neuwagenpreis und auch die Modellvielfalt der Hersteller nimmt zu was für den Handel bedeutet, dass er mehr Modelle vorhalten muss. Hinzu kommen die umfangreichen Standards die vom Hersteller vorgeschrieben werden die der Händler einhalten muss.
  • Erschwerend zum Kapitalbedarf kommt hinzu das Banken immer weniger willig sind in den Automobilhandel zu investieren und die Kreditlinien zu erweitern.
  • Neben den finanziellen Aspekten gibt es noch mehrere weitere kritische Faktoren für den Automobilhandel. Ein weiterer Faktor ist, dass das Automobil vor allem bei Yuppies (young urban people) an Stellenwert verloren hat. War das Auto vor 20 Jahren noch auf Platz 1 der Rangliste ist es mittlerweile verdrängt worden von Produkten wie dem Smartphone allem voran dem iPhone. Meine Generation legt immer weniger wert darauf ein eigenes Auto zu besitzen.
  •  Mit dem geringeren Stellenwert des Automobils werden auch alternative Angebote wie Car-Sharing populärer. Was bedeutet, dass mehrere Nutzer sich ein Fahrzeug teilen. Derzeit haben wir eine zunehmende Urbanisierung außerdem kommt hinzu, dass 80% der gesamten Wertschöpfung heute in Städten stattfindet und gerade in Städten ist es heutzutage nicht mehr notwendig ein Auto zu besitzen. Dies führt in Summe dazu, dass der Automobilbedarf voraussichtlich rückläufig sein wird.
  • Ein weiterer Faktor der den Automobilhandel verändern wird ist die Elektromobilität. Es ist bisher nicht klar welcher Hersteller sich hier durchsetzen wird ob es einer der traditionellen Fahrzeughersteller sein wird oder aber ein neuer Hersteller. Es ist auch offen wie schnell die Elektrifizierung stattfindet.  Ein Fakt ist aber je schneller es stattfindet desto schneller wird auch die Anzahl der Servicearbeiten abnehmen, da beispielsweise Ölwechsel bei Elektrofahrzeugen der Vergangenheit angehören.
  • Neben den finanziellen Faktoren, dem abnehmenden Stellenwert des Automobils und der Elektrifizierung ist auch zu beobachten, dass die Hersteller wieder vermehrt in den Handel drängen (z.B. Audi-Retail, VW-Retail). Für den Handel ist das kritisch da die Retail Betriebe nicht zwangsläufig profitabel sein müssen und selten sind. Die Hersteller können diesen Kanal einfach nutzen um Überkapazitäten abzubauen. Das inhabergeführte Autohaus muss aber langfristig profitabel sein um am Markt zu bestehen.

Wer auf all diese Faktoren schaut wird feststellen, dass die Automobilhändler in eine sehr ungewisse Zukunft schauen. Ein Trend der eintreten könnte ist, dass kleinere Händler eher zum lokalen Servicestützpunkt werden. Die Autos werden dann in Regionalen Centern der Hersteller verkauft. Diese Regionalen Center sind aufgebaut wie Erlebniswelten. Studien zeigen, dass Kunden durchaus willig sind 100km zu fahren um ein Auto zu kaufen. Ein Hersteller könnte so mit 10-15 Regionalen Centern die gesamte Bundesrepublik abdecken. Zur Wartung könnte der Kunde dann den Servicestützpunkt in seinem nahen Umfeld in Anspruch nehmen. Dieser Ansatz würde für viele Händler ein Downsizing bedeuten währe aber auch weniger kapitalintensiv. Ein Punkt der noch dagegen spricht ist, dass derzeit Händler die sich entscheiden nur noch ein Servicestützpunkt zu sein auch Einbußen im Service haben im laufe der Jahre.

Es lässt sich also festhalten, dass der Automobilhandel vor einem großen Wandel steht. Dies bietet auch die Möglichkeit, dass sich neue Ideen und Geschäftsmodelle am Markt durchsetzen werden. Händler sollten offen sein für diesen Wandel um sich frühzeitig zu positionieren.

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