Quo Vadis Automobilindustrie? – Welche Unternehmen werden uns im Jahr 2020 Mobil halten?

Derzeit wird in der Automobilindustrie viel darüber diskutiert, wie wir uns zukünftig fortbewegen werden und ob wir in Zukunft überhaupt noch ein Auto besitzen werden? In der Automobilindustrie herrscht derzeit die Situation, dass die Neuwagenkäufer immer älter werden (bei Mercedes etwa ist der durchschnittliche Neuwagenkunde derzeit 54 Jahre alt) und hinzu kommt, dass für die jüngere Generation das eigene Fahrzeug nicht mehr die höchste Priorität hat. Vor allem im urbanen Leben, ist es heute nicht mehr zwingend erforderlich ein eigenes Fahrzeug zu besitzen.

Um dem entgegen zu wirken, haben die Fahrzeughersteller derzeit vereinzelt große Wetten auf verschiedene Mobilitätskonzepte laufen. Peugeot beispielsweise investiert Geld in ihr Projekt Mu by Peugeot und Daimler bringt Car2Go neben Ulm und Austin (USA) jetzt auch in Hamburg an den Start. Auch BMW beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Thema Carsharing. Das sich mit Carsharing durchaus Geld verdienen lässt, hat Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft gerade auf Autohaus Online vorgerechnet. Der Carsharing Markt wächst derzeit um 20% jährlich und ein Ende ist nicht abzusehen. Erstaunlich wie dann Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, der Zeitung Automotive Agenda sagen kann, dass Carsharing ein Nischenprodukt bleiben wird. Hätte er andererseits zugeben müssen, dass Carsharing in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen wird, hätte er damit auch gesagt, dass sie bei Audi beziehungsweise im VW Konzern diesen Trend verschlafen haben. Meiner Ansicht nach wird Carsharing im Jahr 2020 eine wichtige Rolle spielen.

Davon abgesehen, egal ob wir zukünftig mit einem eigenen Auto fahren werden oder mit einem geliehenden, das Elektroauto wird seinen Durchbruch erleben. Alle Hersteller investieren derzeit Geld in dessen Entwicklung. Als Erster von den großen Herstellern, neben Citroen, Peugeot und Mitsubishi, wird Nissan im Jahr 2011 den Leaf auf die Straßen bringen.

Nissan Leaf

Nissan Leaf

Bereits jetzt stößt der Leaf auf ein großes Interesse. Alle anderen Hersteller werden in den nächsten Jahren folgen. Wie groß das Interesse der Fahrzeughersteller an der E-mobility ist beweist der Fall Tesla. Seit nun mehr 2006 produziert Tesla den Roadster und konnte damit viel Know-how im Bereich E-mobility aufbauen. Das ist so interessant für die klassischen Fahrzeughersteller, dass erst Daimler bei Tesla einstieg und später auch Toyota. Das gemeinsame Know-how soll nun für die weitere Entwicklung von Elektrofahrzeugen genutzt werden.

Wie man es auch dreht und wendet es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Start-up Unternehmen den Mobilitätsmarkt zukünftig erobern wird. Denn um die Mobilität zukünftig zu prägen, sind jetzt große Investitionen nötig. Renault & Nissan hat bisher beispielsweise 4Mrd Euro in die Entwicklung eines Elektrofahrzeugs gesteckt. Auch wenn das Elektroauto recht einfach aufgebaut ist, liegt die große Herausforderung in der Batterie. Denn diese muss über genügend Kapazität verfügen und sollte dazu auch noch bezahlbar sein. Zusätzlich muss für Elektroautos auch ein umfassendes Ladenetz aufgebaut werden. Diese Summe als Start-up Unternehemen über Venture Kapital zu finanzieren ist wohl eher unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass die klassischen Automobilhersteller bereits über eine sehr gute Infrastruktur verfügen. So verfügen die Hersteller zum Beispiel über ein deutschlandweites Händlernetz. Auch haben alle Hersteller eigene Herstellerbanken oder Kooperationen mit Banken, auf dieses Know-how könnte man zurückgreifen, um Mobilität für den Kunden zu einem Paketpreis anbieten zu können. Auch die Abrechnung könnte damit recht einfach über diese Banken geschehen. Ein weiterer Punkt der nicht zu unterschätzen ist, ist die starke Lobby die die Automobilindustrie in Deutschland hat. Die Interessen der deutschen Automobilindustrie vertritt in Berlin recht erfolgreich der VDA. Man kann daher davon ausgehen, dass die Förderung der Elektromobilität in Deutschland nicht zum Nachteil der deutschen Automobilhersteller geschieht. Abschließend muss dann nur noch der Kunde vom Elektroauto überzeugt werden. Aber auch hier verfügen die Fahrzeughersteller mit ihren Marketingabteilungen bereits über gute Voraussetzungen.

Halten wir also fest, dass aufgrund der benötigten Investitionskosten die traditionellen Fahrzeughersteller auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen werden. Um diesen Fall nicht eintreten zu lassen, müssten die Automobilhersteller schon sehr viel falsch machen. Interessant wird noch die Frage bleiben, inwieweit sich auch neue Wettbewerber am Markt positionieren können. Grundvoraussetzung ist dabei die Finanzstärke und Investitionsbereitschaft. In Anbetracht dessen, kommen damit vor allem die Energieversorger in Frage. Neben den finanziellen Mitteln bringen diese auch Know-how im Elektrizitätsbereich mit. Tatsächlich sind einige Energieversorger hier schon recht weit fortgeschritten. RWE beispielsweise hat in Berlin und NRW schon jeweils ein Pilotprojekt zur Elektromobilität laufen und erweitert damit schon kontinuierlich das eigene Know-how.

Neben den Energieversorgern als neue Wettbewerber sind noch vereinzelt andere Unternehmen denkbar. Google hat im Oktober diesen Jahres beispielsweise bekannt gegeben, dass sie in der Entwicklung des selbstfahrenden Fahrzeugs schon recht weit fortgeschritten sind, die Prototypen haben bereits über 140.000 Meilen auf Kaliforniens Straßen zurückgelegt. Inwieweit Google dieses Engagement noch ausbaut bleibt abzuwarten. Die finanziellen Mittel dafür hätten sie aber. Ein letzter Gedanke der vielen gefällt aber eher unwahrscheinlich ist, wäre das iCar von Apple. Ganz abwegig ist es nicht, dass Apple auch in Sachen Mobilität ein Wort mitreden kann. Zumal Apple derzeit mehr als 24 Mrd Euro liquider Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen. Nach dem Apple Prinzip würde Apple dann ein Fahrzeug konzipieren und es von Zulieferern produzieren lassen. Apple wird zumindest zugetraut, dass sie damit ein Produkt auf den Markt bringen könnten, dass wieder die jüngere Generation begeistert, ähnlich wies es ihnen mit dem iPhone gelungen ist. Aber dass wird wohl eher ein Wunschgedanke bleiben…

Advertisements

Keine Kommentare bisher... Sei der erste, der einen Kommentar hinterlässt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: